Die erste SAP-IPD-Demo ist gelaufen. Die Teilnehmer sind beeindruckt – die Möglichkeiten der integrierten Produktentwicklung leuchten sofort ein. Doch kaum ist der Beamer aus, tauchen die eigentlichen Fragen auf: Was bedeutet das für unsere bestehende Systemlandschaft? Wie teuer wird das? Und vor allem: Wo fangen wir an?
In unserer Beratungspraxis bei Inomic erleben wir diesen Moment in fast jedem Kundenprojekt. Die Demo schafft Interesse – aber zwischen Begeisterung und einem umsetzbaren Programm liegen mehrere wichtige Schritte, die systematisch gegangen werden müssen.
Warum eine Demo allein nicht reicht
Eine SAP-IPD-Demo zeigt das Potenzial der Plattform: durchgängige Produktstrukturen, integriertes Änderungsmanagement, nahtlose Verbindung zwischen Engineering und ERP. Das ist eindrucksvoll – aber es ist ein Idealbild. Jedes Unternehmen hat eine gewachsene IT-Landschaft, etablierte Prozesse und spezifische Anforderungen.
Die Demo beantwortet nicht, welche Ihrer bestehenden Systeme abgelöst, integriert oder beibehalten werden sollen. Sie zeigt nicht, welche Datenmigrationen nötig sind oder welche organisatorischen Veränderungen auf Sie zukommen. Genau hier beginnt die eigentliche Arbeit.
Der Weg in vier Phasen
Phase 1: Standortbestimmung
Im ersten Schritt analysieren wir gemeinsam den Status quo. Dazu gehören:
- Bestandsaufnahme der aktuellen Systemlandschaft (Produktdatenquellen, ERP, CAD, PDM)
- Mapping der bestehenden Prozesse in Engineering, Freigabe und Fertigung
- Identifikation von Pain Points und Medienbrüchen
- Bewertung der Datenqualität in den führenden Systemen
Das Ergebnis ist ein klares Bild des Ist-Zustands – ohne Beschönigung und ohne Vorurteile. Erst wenn alle Beteiligten die Ausgangslage kennen, können sinnvolle Entscheidungen getroffen werden.
Phase 2: Zielarchitektur & Scope-Definition
Auf Basis der Standortbestimmung definieren wir die Zielarchitektur. Dabei beantworten wir zentrale Fragen:
- Welche SAP-IPD-Funktionsbereiche werden benötigt – zum Beispiel Collaboration, Engineering, Product Data Integration, Product Handover oder Change Management?
- Wo liegen die Systemgrenzen zwischen SAP IPD und bestehenden Lösungen?
- Welche Schnittstellen müssen gebaut oder angepasst werden?
- Was bleibt im SAP-Standard, was erfordert BTP-Extensions?
Das Ergebnis ist eine Solution Architecture, die als Grundlage für Aufwandsschätzungen und Priorisierungen dient.
Phase 3: Priorisierung & Quick Wins
Nicht alles muss sofort umgesetzt werden. Wir priorisieren gemeinsam nach Business Value und Umsetzungsaufwand. Typische Quick Wins sind:
- Digitalisierung des Änderungsantrags-Prozesses (Engineering Change Request)
- kontrollierte Teilautomatisierung der Stücklisten-Übergabe an SAP S/4HANA
- Einführung einer zentralen Materialstamm-Governance
Durch die Fokussierung auf Quick Wins generieren wir frühzeitig sichtbare Erfolge. Das schafft Akzeptanz bei den Stakeholdern und liefert wertvolle Erfahrungen für die späteren, komplexeren Phasen.
Phase 4: Roadmap & Programmstruktur
Im letzten Schritt entsteht die eigentliche Roadmap: ein zeitlich gegliederter Plan mit klaren Arbeitspaketen, Verantwortlichkeiten und Meilensteinen. Die Roadmap berücksichtigt:
- Abhängigkeiten zwischen Teilprojekten
- Verfügbarkeit von internen und externen Ressourcen
- Schulungs- und Change-Management-Bedarfe
- Release-Zyklen und Freeze-Perioden der bestehenden Systeme
Was Unternehmen dabei oft unterschätzen
Der größte Fehler, den wir beobachten, ist die Unterschätzung des organisatorischen Wandels. SAP IPD ist nicht nur ein IT-Projekt – es verändert die Art, wie Engineering, Einkauf und Fertigung zusammenarbeiten. Ohne ein begleitendes Change Management scheitern selbst technisch perfekte Implementierungen.
Ein zweiter häufiger Fehler ist die Annahme, dass die Demo-Umgebung direkt als Blaupause für die produktive Lösung dienen kann. Demo-Szenarien sind vereinfacht – die Realität eines mittelständischen Fertigungsunternehmens ist es nicht.
Fazit
Der Weg von der Demo zur Roadmap ist kein Sprint, sondern ein strukturierter Prozess. Wer diese Schritte sauber durchläuft, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche IPD-Einführung – ohne böse Überraschungen im Budget oder im Zeitplan.
Bei Inomic begleiten wir diesen Weg von der ersten Begeisterung bis zum Go-live. Vereinbaren Sie einen Roadmap-Workshop mit INOMIC – wir helfen Ihnen, aus Interesse ein umsetzbares Programm zu machen.
